Tschick macht laut

Nach fünf Wochen intensiver Vorbereitung war es am 17. März endlich so weit: Rund 200 Schülerinnen und Schüler präsentierten im Opus des theaterhagen ihre eigenen Kompositionen zu Wolfgang Herrndorfs Roman «Tschick» und zu öffentlichen Orten, die sie spannend finden. Jede Gruppe machte sich auf die Reise zu ihrem eigens gewählten Ort und einem dazu passenden, unverwechselbaren Sound. «Tschick macht laut» hieß das Kinder- und Jugendprojekt zum Thema Komponieren und Kunst im öffentlichen Raum, das anlässlich der Uraufführung der Oper «Tschick» von Ludger Vollmer in Kooperation mit dem philharmonischen orchesterhagen und mehreren Schulen in Hagen und Umgebung stattgefunden hat. Tschick – der „Romanheld“ – steht dabei exemplarisch für die Suche nach einem Ort der Identifikation. Beteiligt waren die Overberg-, Funckepark-, Janusz-Korczak-, Freiherr-vom-Stein- und Lieselotte-Funcke-Schule, die Gesamtschule Haspe, die Gesamtschule Kierspe, die Heinrich-Heine-Realschule sowie Jugendliche der Hagener pottfiction-Gruppe.
Unter Anleitung des Komponisten und Metallband-Sängers Giordano Bruno do Nascimento und der Performance-Künstlerin Miriam Michel (dorisdean) erkundeten die Schülerinnen und Schüler ihre unmittelbare Umgebung. Beschäftigten sich mit der Frage, wo findet mein Leben statt? Oder wo findet etwas statt, bei dem ich nicht teilhaben kann? Wie klingt ein alltäglicher Ort? Was höre und sehe ich wirklich? Und was fühle ich dabei?
Um Eindrücke zu sammeln machten wir ein kleines Experiment, und gaben allen Schüler/innen die Aufgabe an ihrem auserwählten Ort zwei Minuten still zu stehen. Wie ein Klassen- bzw. Gruppenfoto filmten wir diese zwei Minuten Stille. Nicht nur wurden dadurch die Geräusche und Klänge des Ortes intensiv wahrgenommen, sondern auch erfuhren die Teilnehmer/innen, was es heißt, im öffentlichen Raum als Performer/innen aufzutreten und ganz nach Neo-Avantgarde-Manier etwas Gewöhnliches zu tun und darin die Ungewöhnlichkeit zu entdecken. Auch waren diese zwei Minuten für einige der Schüler/innen schwer durchzuhalten, kommen viele der jungen Menschen doch aus einer schnelllebigen Zeit, deren Fokus nicht auf dem aktiven Innehalten liegt. Die so gesammelten Eindrücke flossen dann unmittelbar in die Arbeit ein: Mit den in den Schulen vorhandenen Instrumenten verarbeiteten die Gruppen höchst kreativ und ausdrucksvoll ihre Eindrücke und Emotionen. Dabei war von Streichern, über Holz- und Blechbläser, sowie diverses Schlagzeug, bis hin zu Klavier und Keyboards in verschiedensten Besetzungen eine vielfältige Klanglandschaft zu erleben, die die fast 500 Besucher/innen so sehr begeisterte, dass es zwei Aufführungen kurz hintereinander gab. Nur einen Tag vor der Uraufführung von Tschick standen viele kleine Uraufführungen auf dem Programm, die die kreative Arbeit des Komponierens und der Kunst im öffentlichen Raum unmittelbar erfahrbar gemacht und für die Beteiligten eine intensive Erfahrung mit der eigenen Fantasie und aktiver Teamarbeit ermöglicht haben.










