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Veröffentlicht Oktober 2026
- Margarita Kaufmann

Gespräch statt Gesang: Die Hagener Rocksängerin Vanessa Henning

Eine Rocksängerin, die nicht singen darf, und Theatercafé-Besucher, die sich dennoch begeistern lassen:

Der erste Theatertreff der neuen Spielzeit, zu dem der Theaterförderverein Vanessa Henning eingeladen hatte, wurde zu einem spannenden Abend.

Wenn die gewaltige Stimme einer Rockröhre durch ein striktes ärztliches Singverbot nicht zu hören ist, rückt unweigerlich das Wort ins Zentrum. Was am vergangenen Freitag als musikalischer Abend im gut besuchten Theatercafé geplant war, entwickelte sich so zu einem Austausch über die Begeisterung für die Bühne und für die Musik – jenseits aller Zuordnungen zu Stilrichtungen.

Michael König, engagierter Theaterförderer und langjähriges Mitglied im Vorstand des Theaterfördervereins, und die Hagener Rocksängerin Vanessa Henning bewiesen im Dialog, dass die Leidenschaft für die Live-Musik im Theater auch ohne hohe Dezibelzahl faszinieren kann.

Es war ein Austausch, der die Kontraste deutlich machte: Normalerweise steht Henning vor ihren Fans auf großen Bühnen, umgeben von einer beindruckenden Konzertmaschinerie.

Zum Auftakt der Interviewreihe, in der der Theaterförderverein seit vielen Jahren interessante Persönlichkeiten aus dem Hagener Theater ins Scheinwerferlicht rückt, zeigte sich die Hohenlimburgerin von einer ganz anderen, nahbaren Seite. Eine spontane, sympathische und vor Energie sprühende Persönlichkeit stellte sich den Gästen des Theatertreffs vor: Geführt von den klugen Fragen des Interviewers gab sie spannende Einblicke in das Leben einer Rocksängerin und machte vermutlich auch den Opernliebhabern Lust auf den Besuch einer Rockschau, die seit einigen Jahren im Spielplan des Hagener Theaters einen festen Platz haben.

Das Singverbot machte den Veranstaltern und der Künstlerin zwar zunächst einen Strich durch die Rechnung, sollte Vanessa Henning doch eine Kostprobe ihres Könnens geben. Aber dieses erwies sich an dem Abend als Glücksfall: Weil das Mikrofon für Songs stumm bleiben musste, überzeugte Vanessa Henning mit Authentizität und einer entwaffnenden Ehrlichkeit und gewann die Sympathie des Publikums schon nach wenigen Minuten.

„Ich bin die weltweit schlechteste Schauspielerin, die es gibt“, gestand sie lachend. Keine Allüren, kein Star-Gehabe – hier saß eine Künstlerin, die trotz ihres Erfolgs bodenständig geblieben ist und die Theateratmosphäre sichtlich genoss.

Vom Lampenfieber zur klassischen Ausbildung

Gefolgt von den konzentrierten Besuchern führte Michael König die Künstlerin zurück zu den Anfängen ihrer Karriere. Eine Reise, die bemerkenswerterweise mit purer Bühnenangst begann. Als Zwölfjährige sei die Vorstellung, vor Menschen zu singen, ein Albtraum gewesen.

Es brauchte, so gesteht sie, den sanften Druck einer Musiklehrerin, die das Talent des Mädchens erkannte und sie kurzerhand bei einem Schulwettbewerb anmeldete: Vanessa trat an – und gewann. Der Stein war ins Rollen gebracht. Die Lehrerin forderte professionellen Gesangsunterricht, was für Teenager zur damaligen Zeit abseits der klassischen Schiene eine Seltenheit war. Die Suche führte schließlich zur US-Opernsängerin Celeste Barrett, die damals am Theater Hagen engagiert war.

Trotz deren anfänglicher Skepsis wegen des jungen Alters machte sie nach einem kurzen Vorsingen eine Ausnahme. Es war der Startschuss für eine fundierte, klassische Gesangsausbildung im Herzen des Theaters – ein solides Fundament und der Beginn ihrer Liebe zum Theater ihrer Heimatstadt.

Weg zur Tribute-Frontfrau

Obwohl klassisch geschult, zog es Vanessa Henning früh in Richtung Musical, Pop und schließlich zur Rockmusik. Die entscheidende Wende kam dann im Jahr 2010. Aus der vielseitigen Cover-Sängerin wurde die Frontfrau der Pink-Tribute-Band „It’s All Pink“. Michael König zitierte aus einer Rezension, die Hennings Wirkung auf der Bühne auf den Punkt brachte: Mit beeindruckender Präsenz und kraftvoller Stimme fange sie die rebellische Seele der Pop-Rock-Ikone Pink ein.

Henning musste über die großen Worte über sich schmunzeln. Eigentlich, so ergänzte sie, sei das Projekt gar nicht ihre eigene Idee gewesen. Fans hatten sie nach früheren Auftritten immer wieder angesprochen und die stimmliche Ähnlichkeit gelobt. Sie selbst sah sich anfangs gar nicht in dieser Rolle. Doch der Look passte, die Energie stimmte, und das Projekt nahm rasant Fahrt auf.

Mit großen Kulissen zurück ins Stadttheater

Wie professionell das Projekt aufgezogen wurde, zeigte eine Anekdote, die Venessa Henning erzählte: Die Pink-Tribute-Band kaufte dem Weltstar Pink damals die Original-Tourkulisse ab. „Sie weiß, dass es mich gibt“, verriet Henning. „Wir durften die Kulisse kaufen.“ In den Anfangsjahren rollte so eine gigantische Showproduktion mit einer 15-köpfigen Crew und sieben 7,5-Tonner-Lkw durch das Land.

Heute sind die Zeiten im Musikgeschäft härter geworden, die Budgets knapper. Die Lkw-Flotte ist geschrumpft, geblieben ist jedoch die pure Energie der Songs. Mit dieser Energie gelang Vanessa Henning nun auch der Sprung aus den Rock-Arenen zurück auf die Hauptbühne des Theaters Hagen – ein Ort, der für sie eine ganz besondere Magie besitzt.

Für Michael König ist sie eine Künstlerin, die perfekt zwischen den Welten wandelt. Beide Gesprächspartner gerieten ins Schwärmen, als es zum Ende des Gesprächs um die einzigartige Wirkung von Live-Theater ging. Denn Henning bringt die Wucht des Rock-Business mit und füllt gleichzeitig den künstlerischen Raum des Stadttheaters aus. Dabei blieb sie sich stets treu. Eine Kopie zu werden um jeden Preis, das kam für sie nicht infrage: „Ich versuche nicht, sie nachmachen. Eigentlich müsste das Projekt heißen: Vanessa Henning singt diese Pink-Songs.“

Für die Gäste des Theatertreffs ging nach gut einer Stunde ein inspirierender und von Anekdoten reicher Abend zu Ende, in dessen Mittelpunkt auch dieses Mal das Theater stand – aber von einer ganz anderen Seite sichtbar wurde. Der erste Theatertreff der Spielzeit 2026/27 hat gezeigt, wie viel hochkarätiges und authentisches Talent in Hagen zu Hause ist.

Für den Theaterförderverein dankte dessen stellvertretende Vorsitzende, Margarita Kaufmann, dem Interviewer für einen unterhaltsamen Abend, und der Organisatorin Brigitte Kramps für die wie immer gelungene Vorbereitung der Veranstaltung.

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